Burladingen

Foto: O. Braasch, RP S, LAD L7720/003-03


Kastell

Das Burladinger Kastell, das in mehreren Grabungskampagnen erforscht wurde, ist zwar nicht als Freilichtanlage sichtbar, seine Lage zeichnet sich aber noch deutlich im Gelände ab. Schautafeln am Parkplatz der B 32 bei Burladingen erläutern Geschichte und Bedeutung der Anlage.

Das Kastell Burladingen wurde um 80 n.Chr. unter Kaiser Vespasian für eine etwa 500 Mann starke Infanterieeinheit an einem der wichtigsten, schon in vorrömischer Zeit benutzen Albübergänge erbaut. Es handelt sich hierbei um ein ehemaliges römisches Grenzkastell des Alblimes. Nördlich des Kastells etablierte sich ein Dorf (vicus), das bis zum Ende der provinzialrömischen Zeit um die Mitte des 3.Jahrhunderts bestand. Die Lage des Kastells ist noch heute gut im unbebauten Gelände erkennbar. Das Kastell befindet sich etwa zwei Kilometer westlich des Burladinger Ortszentrums unter den Äckern eines „Kleineschle“ genannten Nordhangs unmittelbar südlich der heutigen B 32. In der damaligen Zeit lag das Kastell hier in verkehrsgeografisch und strategisch günstiger Position und wie fast alle Kastelle des Alblimes befand sich die militärische Befestigung auf einer Wasserscheide, die hier zwischen der Starzel (Flusssystem Rhein) und der Fehla (Flusssystem Donau) verläuft.

Ende 2006 fanden Archäologen wenige hundert Meter davon entfernt auf der gegenüberliegenden Seite der B 32 ein zweites römisches Militärlager im Boden- eine Konstellation, die landesweit einmalig ist. Hierbei handelt es sich um ein Marschlager aus dem 1. Jahrhundert n.Chr. Somit liegen auf der „Schlichte“ nicht nur ein, sondern wenige hundert Meter voneinander entfernt gleich zwei römische Kastelle im Erdreich begraben. Elektromagnetische Untersuchungen zeigen eine nahezu quadratische Grabenanlage mit Seitenlängen von etwa 160 Metern. Auf jeder Seite war der ungefähr zwei Meter breite Graben auf einer Länge von etwa neun Metern unterbrochen. Dort lagen die Kastelltore, die durch ein vorgelegtes, 8,5 Meter langes Grabenstück zusätzlich geschützt waren. Aufschlüsse über die Innenbebauung des Kastells haben die Messungen bisher nicht ergeben. Steinbauten sind auf dem Kastellgelände aber nicht gefunden worden. Bei dem neu entdeckten Kastell handelt es sich allem Anschein nach um ein mit Wall, Palisaden und Wehrgraben befestigtes, so genanntes Marschlager. Darin waren Soldaten untergebracht, die das bereits bekannte, auf der anderen Straßenseite gelegene reguläre Kastell gebaut haben. Nach dessen Fertigstellung, so vermuten die Archäologen, dürfte das Marschlager aufgegeben worden sein.